Woher kommt eigentlich das Geld – und warum steigen die Preise, wenn es zu viel davon gibt? Dieses Kapitel zeigt, wie Geschäftsbanken aus der Geldbasis über den Geldschöpfungsmultiplikator Geld schaffen, wie die Quantitätstheorie M·V = P·Y Geldmenge, Inflation und Wachstum verknüpft und wie die Fisher-Gleichung Nominalzins, Realzins und Inflation verbindet.
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Stell dir ein kleines Dorf vor, in dem am Montagmorgen genau ein einziger 10-€-Schein existiert. Der Bäcker gibt ihn dem Bauern für Mehl, der Bauer der Wirtin für ein Essen, die Wirtin dem Bäcker für Brötchen. Am Abend sind Waren im Wert von 30 € den Besitzer gewechselt – mit nur 10 € Bargeld. Genau das steckt hinter der Quantitätsgleichung: Es kommt nicht nur darauf an, wie viel Geld da ist (M), sondern auch, wie oft es umläuft (V).
Und jetzt das Verblüffende am Bankensystem: Zahlst du 100 € auf dein Konto ein, behält die Bank nur einen kleinen Teil als Reserve und verleiht den Rest weiter. Der Kredit landet wieder auf einem Konto, wird wieder verliehen … So schaffen die Banken aus wenig „Basisgeld“ ein Vielfaches an Buchgeld. Dieses Kapitel zeigt, wie dieses Geld entsteht, warum zu viel davon die Preise treibt und wie Inflation und Zins über die Fisher-Gleichung zusammenhängen.
Kurz erklärt – „Neugier-Fragen": kleine Fragen, die du dir selbst stellst, um aktiv mitzudenken – nicht zum Googeln, sondern zum inneren Beantworten, während die Lektion läuft. So funktioniert's – an einer Frage einmal vorgemacht (Frage → Denk-Schritt → Antwort, die du gleich prüfst):
Das Geldangebot steuert nicht die Zentralbank allein – sie liefert nur den Rohstoff. Ausgangspunkt ist die Geldbasis BZentralbankgeldmenge („Geldbasis“ oder Monetary Base): umlaufendes Bargeld plus die Reserven der Geschäftsbanken bei der Zentralbank – zusammen die Passiva der Zentralbank.: das umlaufende Bargeld plus die Reserven, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten. Aus dieser Basis machen die Banken durch Kreditvergabe ein Vielfaches an GiralgeldBuchgeld auf Giro-/Sichtkonten. Es entsteht, wenn Banken Kredite vergeben und dem Kreditnehmer eine Einlage gutschreiben – ganz ohne neues Bargeld..
Zwei Verhaltensgrößen bestimmen, wie stark: die Bargeldquote cAnteil der Geldmenge, den die Menschen als Bargeld halten: c = C / M. Bei c = 0 bliebe alles auf den Konten. (Bargeld je Euro Geldmenge, c = C/M) und die Reservequote rAnteil der Einlagen, den eine Bank als Reserve zurückhält: r = R / D. Sie ist mindestens so hoch wie der gesetzliche Mindestreservesatz. (Reserve je Euro Einlage, r = R/D). Mit den Einlagen D = (1 − c)·M zerlegt sich die Basis so:
B = C + R = c·M + r·(1 − c)·M = [c + r·(1 − c)]·M
Stellt man nach der Geldmenge M um, erscheint der GeldschöpfungsmultiplikatorFaktor 1 / [c + r·(1−c)], mit dem sich die Geldbasis in die Geldmenge übersetzt. Weil c und r kleiner als 1 sind, ist er größer als 1: überproportionaler Anstieg von M.:
M = B · 1 / [c + r·(1 − c)] (Multiplikator > 1)
Die Zentralbank stellt eine Geldbasis von B = 200 (Mrd. €) bereit. Die Menschen halten c = 0,25 ihrer Geldmenge bar, die Banken r = 0,20 ihrer Einlagen als Reserve.
Nenner: c + r·(1 − c) = 0,25 + 0,20·0,75 = 0,25 + 0,15 = 0,40
M = B / 0,40 = 200 / 0,40 = 500 ⇒ Multiplikator = 1 / 0,40 = 2,5
Gegenprobe über die Zerlegung: Bargeld C = c·M = 0,25·500 = 125, Einlagen D = (1−c)·M = 375, Reserven R = r·D = 0,20·375 = 75. Und tatsächlich ist B = C + R = 125 + 75 = 200.
Die linke Säule ist die Geldbasis B = 200, die rechte die daraus geschöpfte Geldmenge M = 500. Das Bargeld (blau) ist in beiden gleich; das Giralgeld (orange) ist die eigentliche Schöpfung der Banken.
Wie viel Geld es gibt, hängt also auch davon ab, wie viel Basis die Zentralbank bereitstellt. Diese Geldbasis weitet sie über drei Wege aus:
Wie viel „Geld“ man mitzählt, hängt von der Abgrenzung ab. Die EZB unterscheidet drei Aggregate – je höher die Nummer, desto weniger sofort verfügbar (liquide):
| Aggregat | Enthält zusätzlich |
|---|---|
| M1 | Bargeld + täglich fällige Sichteinlagen (Giro) |
| M2 | M1 + Termineinlagen + Spareinlagen (mit Kündigungsfrist) |
| M3 | M2 + Geldmarktpapiere (marktfähige Instrumente) |
Geld auf dem Girokonto bringt kaum Zinsen – trotzdem halten wir es, weil wir damit unsere täglichen Transaktionen bezahlen. Die Realkasse M/P ist diese Geldnachfrage, gemessen in Kaufkraft (der Zusatz „real“ heißt: durch das Preisniveau P geteilt). In der einfachen (Cambridge-)Fassung hängt sie am realen Einkommen Y:
M/P = k·Y mit k = 1/V
Der Kassenhaltungskoeffizient k (Anteil des Einkommens, der als Kasse gehalten wird) ist der Kehrwert der Umlaufgeschwindigkeit VWie oft dieselbe Geldeinheit in einer Periode für Transaktionen den Besitzer wechselt (Umschlag). Aus M·V = P·Y folgt V = P·Y / M.: Wer sein Geld schnell wieder ausgibt (großes V), muss weniger Kasse halten (kleines k). Realistischer hängt die Geldnachfrage zusätzlich vom Zins ab – höhere Zinsen machen das Halten von zinslosem Geld teurer:
M/P = k(i)·Y → Y wirkt positiv (+), der Zins i negativ (−)
In der Mitschrift steht dafür die Schätzform M = P·Y0,4·i−0,2: Steigt das Einkommen um 1 %, wächst die Geldnachfrage um 0,4 %; steigt der Zins um 1 %, sinkt sie um 0,2 %.
Die QuantitätsgleichungM·V = P·Y. Links das Zahlungsvolumen (Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit), rechts das nominale BIP (Preisniveau mal reale Produktion). Eine Identität. verbindet die Geldseite mit der Güterseite:
M · V = P · Y (links: Zahlungsvolumen | rechts: nominales BIP)
Die eben geschöpften M = 500 (Mrd. €) laufen mit V = 4 um. Das reale BIP sei Y = 1.000 (Mengen-Index).
M·V = 500·4 = 2.000 = P·Y ⇒ P = 2.000 / 1.000 = 2
Das Preisniveau ist also P = 2, das nominale BIP P·Y = 2.000. Der Kassenhaltungskoeffizient wäre hier k = 1/V = 0,25.
Interessant wird es in Wachstumsraten. Aus der Näherung (M1−M0)/M0 ≈ (P1−P0)/P0 + (Y1−Y0)/Y0 wird die Quantitätstheorie greifbar (Inflation als Geldphänomen: bei konstantem V treibt jedes Geldmengenwachstum über dem Produktionswachstum die Preise):
gM + gV = π + gY → bei konstantem V (gV = 0): gM = π + gY
⇒ π = gM − gY
Die Geldmenge wächst mit gM = 5 %, das reale BIP mit gY = 2 %, V ist konstant.
π = gM − gY = 5 % − 2 % = 3 %
Wächst das Geld schneller als die Gütermenge, bleibt die Differenz als Teuerung übrig. Fällt V (wie real seit 2008), dämpft das die Inflation zusätzlich: gM + gV = π + gY.
Sparer interessiert nicht der ausgewiesene Zins, sondern was real übrig bleibt. Die Fisher-Gleichungi = r + π, umgestellt r = i − π. Sie zerlegt den Nominalzins in Realzins plus (erwartete) Inflation. zerlegt den Nominalzins i (den vertraglich gezahlten Zins) in Realzins r (die um die Inflation bereinigte Verzinsung, r = i − π – bei π > i sogar negativ) und Inflation:
i = r + π ⇔ r = i − π
Der Realzins beträgt r = 2 %, die erwartete Inflation E[π] = 3 %.
i = r + E[π] = 2 % + 3 % = 5 %
Weil die Geldnachfrage vom Nominalzins abhängt, greift eine erwartete Inflation direkt durch: M/P = k(r + E[π])·Y. Das ergibt eine Wirkungskette – mehr Geld heute lässt die erwartete Inflation steigen, das hebt den Nominalzins und damit die Preise:
M↑ ⇒ E[π]↑ ⇒ i↑ ⇒ P↑
Der Staat verdient am Gelddrucken: Die SeigniorageEinnahmen des Staates durch das Ausweiten der Geldmenge („Gelddrucken“). Die dadurch ausgelöste Inflation wirkt wie eine Steuer auf alle, die Geld halten. ist der reale Gewinn aus dem Ausweiten der Geldmenge. Die Kehrseite: Die dadurch erzeugte Inflation ist eine Steuer auf die Geldhaltung – wer Bargeld hält, verliert real an Kaufkraft.
In der Regel ja – sie beantworten verschiedene Fragen. Der Geldschöpfungsmultiplikator M = B / [c + r·(1−c)] erklärt, wie viel Geld aus der Basis entsteht (Geldangebot). Die Quantitätsgleichung M·V = P·Y erklärt, was diese Geldmenge für Preise und Inflation bedeutet. In den uns vorliegenden Musterklausuren tauchten meist beide Bausteine auf – oft nacheinander in einer Aufgabe.
Meist über die Wachstumsform: gM = π + gY (bei konstantem V), also π = gM − gY. Sie ist schneller, wenn Wachstumsraten gegeben sind. Die Niveaugleichung M·V = P·Y brauchst du, wenn nach dem Preisniveau P, dem nominalen BIP oder der Umlaufgeschwindigkeit V selbst gefragt ist. Ist V nicht konstant, nimmst du die vollständige Form gM + gV = π + gY.
1/r gilt nur im Spezialfall ohne Bargeldabfluss (c = 0): Dann bleibt jeder verliehene Euro im Bankensystem. Sobald die Menschen einen Teil bar halten (c > 0), „versickert“ bei jeder Runde etwas Geld außerhalb der Banken und kann nicht weiterverliehen werden – der Multiplikator wird kleiner. Deshalb steht im Nenner c + r·(1−c). Setzt du c = 0 ein, erhältst du wieder 1/r.
In den uns vorliegenden Unterlagen gehörte i = r + π regelmäßig zum Geld-Kapitel – oft verknüpft mit der Geldnachfrage und der erwarteten Inflation E[π]. Es lohnt sich, die Umstellung r = i − π sicher zu beherrschen und zu wissen, dass ein Realzins auch negativ sein kann, wenn die Inflation über dem Nominalzins liegt.
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