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Passgenau zur Makroökonomik-1-Vorlesung von Dr. Johannes Zahner · Sommersemester 2026

Geld, Inflation & Quantitätstheorie

Woher kommt eigentlich das Geld – und warum steigen die Preise, wenn es zu viel davon gibt? Dieses Kapitel zeigt, wie Geschäftsbanken aus der Geldbasis über den Geldschöpfungsmultiplikator Geld schaffen, wie die Quantitätstheorie M·V = P·Y Geldmenge, Inflation und Wachstum verknüpft und wie die Fisher-Gleichung Nominalzins, Realzins und Inflation verbindet.

Deine Klausurvorbereitung an der Goethe-Uni – seit 1999, passgenau zu deiner Vorlesung.

★ Klausur Do 30.07.2026, 11:00 Uhr (Dr. Johannes Zahner) – sichere dir jetzt deine Unterlagen.

Einstieg

Stell dir ein kleines Dorf vor, in dem am Montagmorgen genau ein einziger 10-€-Schein existiert. Der Bäcker gibt ihn dem Bauern für Mehl, der Bauer der Wirtin für ein Essen, die Wirtin dem Bäcker für Brötchen. Am Abend sind Waren im Wert von 30 € den Besitzer gewechselt – mit nur 10 € Bargeld. Genau das steckt hinter der Quantitätsgleichung: Es kommt nicht nur darauf an, wie viel Geld da ist (M), sondern auch, wie oft es umläuft (V).

Und jetzt das Verblüffende am Bankensystem: Zahlst du 100 € auf dein Konto ein, behält die Bank nur einen kleinen Teil als Reserve und verleiht den Rest weiter. Der Kredit landet wieder auf einem Konto, wird wieder verliehen … So schaffen die Banken aus wenig „Basisgeld“ ein Vielfaches an Buchgeld. Dieses Kapitel zeigt, wie dieses Geld entsteht, warum zu viel davon die Preise treibt und wie Inflation und Zins über die Fisher-Gleichung zusammenhängen.

Kurz erklärt – „Neugier-Fragen": kleine Fragen, die du dir selbst stellst, um aktiv mitzudenken – nicht zum Googeln, sondern zum inneren Beantworten, während die Lektion läuft. So funktioniert's – an einer Frage einmal vorgemacht (Frage → Denk-Schritt → Antwort, die du gleich prüfst):

  • Vorgemacht: Die Zentralbank bringt 100 € neues Basisgeld in Umlauf. Angenommen, niemand hält Bargeld (Bargeldquote c = 0) und die Banken halten 10 % ihrer Einlagen als Reserve (r = 0,1). Wie viel Geldmenge M entsteht daraus? → Denk-Schritt: Jede Bank verleiht 90 % weiter, das landet wieder auf einem Konto und wird erneut zu 90 % verliehen … die Summe 100 + 90 + 81 + … ist eine geometrische Reihe mit dem Wert 100 / 0,1. → Antwort: M = 100 · (1 / 0,1) = 1.000 €, also das Zehnfache. Unten rechnest du die realistischere Variante mit Bargeldabfluss (c > 0) selbst nach.
  • Die Zentralbank verdoppelt über Nacht die Geldmenge M, während real gleich viel produziert wird (Y bleibt unverändert und V ist konstant). Was passiert laut M·V = P·Y mit dem Preisniveau P – und warum wirkt Inflation deshalb wie eine „Steuer“ auf dein Bargeld?
  • Die Inflation steigt von 2 % auf 5 %, dein Sparzins bleibt bei 3 %. Gewinnst oder verlierst du real an Kaufkraft – und was sagt die Fisher-Gleichung i = r + π über deinen Realzins?
Dein Fahrplan durch dieses Thema:
Geldangebot & Geldschöpfung: von der Geldbasis B über den Geldschöpfungsmultiplikator zur Geldmenge M – und was M1, M2, M3 unterscheidet.
Geldnachfrage: warum wir überhaupt Geld halten, die Realkasse M/P = k·Y und ihre Abhängigkeit von Einkommen (+) und Zins (−).
Quantitätstheorie: die Gleichung M·V = P·Y und ihre Wachstumsform gM = π + gY – die Brücke von der Geldmenge zur Inflation.
Zins & Inflation: die Fisher-Gleichung i = r + π, erwartete Inflation und die Seigniorage als „Inflationssteuer“.

① Geldangebot: Wie aus wenig Basisgeld viel Geld wird

Das Geldangebot steuert nicht die Zentralbank allein – sie liefert nur den Rohstoff. Ausgangspunkt ist die Geldbasis BZentralbankgeldmenge („Geldbasis“ oder Monetary Base): umlaufendes Bargeld plus die Reserven der Geschäftsbanken bei der Zentralbank – zusammen die Passiva der Zentralbank.: das umlaufende Bargeld plus die Reserven, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten. Aus dieser Basis machen die Banken durch Kreditvergabe ein Vielfaches an GiralgeldBuchgeld auf Giro-/Sichtkonten. Es entsteht, wenn Banken Kredite vergeben und dem Kreditnehmer eine Einlage gutschreiben – ganz ohne neues Bargeld..

Zwei Verhaltensgrößen bestimmen, wie stark: die Bargeldquote cAnteil der Geldmenge, den die Menschen als Bargeld halten: c = C / M. Bei c = 0 bliebe alles auf den Konten. (Bargeld je Euro Geldmenge, c = C/M) und die Reservequote rAnteil der Einlagen, den eine Bank als Reserve zurückhält: r = R / D. Sie ist mindestens so hoch wie der gesetzliche Mindestreservesatz. (Reserve je Euro Einlage, r = R/D). Mit den Einlagen D = (1 − c)·M zerlegt sich die Basis so:

B = C + R = c·M + r·(1 − c)·M = [c + r·(1 − c)]·M

Stellt man nach der Geldmenge M um, erscheint der GeldschöpfungsmultiplikatorFaktor 1 / [c + r·(1−c)], mit dem sich die Geldbasis in die Geldmenge übersetzt. Weil c und r kleiner als 1 sind, ist er größer als 1: überproportionaler Anstieg von M.:

M = B · 1 / [c + r·(1 − c)]   (Multiplikator > 1)

Lehrbeispiel: Geldschöpfung in „Zahlenland“

Die Zentralbank stellt eine Geldbasis von B = 200 (Mrd. €) bereit. Die Menschen halten c = 0,25 ihrer Geldmenge bar, die Banken r = 0,20 ihrer Einlagen als Reserve.

Nenner: c + r·(1 − c) = 0,25 + 0,20·0,75 = 0,25 + 0,15 = 0,40

M = B / 0,40 = 200 / 0,40 = 500  ⇒  Multiplikator = 1 / 0,40 = 2,5

Gegenprobe über die Zerlegung: Bargeld C = c·M = 0,25·500 = 125, Einlagen D = (1−c)·M = 375, Reserven R = r·D = 0,20·375 = 75. Und tatsächlich ist B = C + R = 125 + 75 = 200.

Die linke Säule ist die Geldbasis B = 200, die rechte die daraus geschöpfte Geldmenge M = 500. Das Bargeld (blau) ist in beiden gleich; das Giralgeld (orange) ist die eigentliche Schöpfung der Banken.

Wie viel Geld es gibt, hängt also auch davon ab, wie viel Basis die Zentralbank bereitstellt. Diese Geldbasis weitet sie über drei Wege aus:

1 · Bargeld schaffen

Neues Bargeld direkt in Umlauf bringen.
→ B steigt

2 · Kredite an Banken

Die Zentralbank leiht den Geschäftsbanken Zentralbankgeld.
→ B steigt

3 · Offenmarktkäufe (OMO)

Die Zentralbank kauft Wertpapiere bei den Banken.
→ B steigt

Wie viel „Geld“ man mitzählt, hängt von der Abgrenzung ab. Die EZB unterscheidet drei Aggregate – je höher die Nummer, desto weniger sofort verfügbar (liquide):

AggregatEnthält zusätzlich
M1Bargeld + täglich fällige Sichteinlagen (Giro)
M2M1 + Termineinlagen + Spareinlagen (mit Kündigungsfrist)
M3M2 + Geldmarktpapiere (marktfähige Instrumente)

② Geldnachfrage: Warum wir überhaupt Geld halten

Geld auf dem Girokonto bringt kaum Zinsen – trotzdem halten wir es, weil wir damit unsere täglichen Transaktionen bezahlen. Die Realkasse M/P ist diese Geldnachfrage, gemessen in Kaufkraft (der Zusatz „real“ heißt: durch das Preisniveau P geteilt). In der einfachen (Cambridge-)Fassung hängt sie am realen Einkommen Y:

M/P = k·Y  mit  k = 1/V

Der Kassenhaltungskoeffizient k (Anteil des Einkommens, der als Kasse gehalten wird) ist der Kehrwert der Umlaufgeschwindigkeit VWie oft dieselbe Geldeinheit in einer Periode für Transaktionen den Besitzer wechselt (Umschlag). Aus M·V = P·Y folgt V = P·Y / M.: Wer sein Geld schnell wieder ausgibt (großes V), muss weniger Kasse halten (kleines k). Realistischer hängt die Geldnachfrage zusätzlich vom Zins ab – höhere Zinsen machen das Halten von zinslosem Geld teurer:

M/P = k(i)·Y  →  Y wirkt positiv (+), der Zins i negativ (−)

In der Mitschrift steht dafür die Schätzform M = P·Y0,4·i−0,2: Steigt das Einkommen um 1 %, wächst die Geldnachfrage um 0,4 %; steigt der Zins um 1 %, sinkt sie um 0,2 %.

V ist nicht wirklich konstant. Die Quantitätstheorie nimmt V als konstant an. In der Realität ist die Umlaufgeschwindigkeit seit rund 2008 eher gefallen – unter anderem, weil Karten und niedrige Zinsen das Halten von Geld verbilligt haben. Für Klausuraufgaben gilt aber meist die Annahme „V konstant“.

③ Quantitätstheorie: Geldmenge, Umsatz und das Preisniveau

Die QuantitätsgleichungM·V = P·Y. Links das Zahlungsvolumen (Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit), rechts das nominale BIP (Preisniveau mal reale Produktion). Eine Identität. verbindet die Geldseite mit der Güterseite:

M · V = P · Y  (links: Zahlungsvolumen  |  rechts: nominales BIP)

Lehrbeispiel: dieselbe Geldmenge, im Kreislauf

Die eben geschöpften M = 500 (Mrd. €) laufen mit V = 4 um. Das reale BIP sei Y = 1.000 (Mengen-Index).

M·V = 500·4 = 2.000 = P·Y  ⇒  P = 2.000 / 1.000 = 2

Das Preisniveau ist also P = 2, das nominale BIP P·Y = 2.000. Der Kassenhaltungskoeffizient wäre hier k = 1/V = 0,25.

Interessant wird es in Wachstumsraten. Aus der Näherung (M1−M0)/M0 ≈ (P1−P0)/P0 + (Y1−Y0)/Y0 wird die Quantitätstheorie greifbar (Inflation als Geldphänomen: bei konstantem V treibt jedes Geldmengenwachstum über dem Produktionswachstum die Preise):

gM + gV = π + gY  →  bei konstantem V (gV = 0):  gM = π + gY

⇒  π = gM − gY

Lehrbeispiel: woher die Inflation kommt

Die Geldmenge wächst mit gM = 5 %, das reale BIP mit gY = 2 %, V ist konstant.

π = gM − gY = 5 % − 2 % = 3 %

Wächst das Geld schneller als die Gütermenge, bleibt die Differenz als Teuerung übrig. Fällt V (wie real seit 2008), dämpft das die Inflation zusätzlich: gM + gV = π + gY.

④ Vom Geld zum Zins: Fisher-Gleichung und Inflationssteuer

Sparer interessiert nicht der ausgewiesene Zins, sondern was real übrig bleibt. Die Fisher-Gleichungi = r + π, umgestellt r = i − π. Sie zerlegt den Nominalzins in Realzins plus (erwartete) Inflation. zerlegt den Nominalzins i (den vertraglich gezahlten Zins) in Realzins r (die um die Inflation bereinigte Verzinsung, r = i − π – bei π > i sogar negativ) und Inflation:

i = r + π  ⇔  r = i − π

Lehrbeispiel: Nominal- aus Realzins

Der Realzins beträgt r = 2 %, die erwartete Inflation E[π] = 3 %.

i = r + E[π] = 2 % + 3 % = 5 %

Weil die Geldnachfrage vom Nominalzins abhängt, greift eine erwartete Inflation direkt durch: M/P = k(r + E[π])·Y. Das ergibt eine Wirkungskette – mehr Geld heute lässt die erwartete Inflation steigen, das hebt den Nominalzins und damit die Preise:

M↑ ⇒ E[π]↑ ⇒ i↑ ⇒ P↑

Der Staat verdient am Gelddrucken: Die SeigniorageEinnahmen des Staates durch das Ausweiten der Geldmenge („Gelddrucken“). Die dadurch ausgelöste Inflation wirkt wie eine Steuer auf alle, die Geld halten. ist der reale Gewinn aus dem Ausweiten der Geldmenge. Die Kehrseite: Die dadurch erzeugte Inflation ist eine Steuer auf die Geldhaltung – wer Bargeld hält, verliert real an Kaufkraft.

Kern-Erkenntnis: Geld verbindet alles Weitere. Die Geldnachfrage M/P = k(i)·Y ist genau die LM-Kurve des nächsten Kapitels (Geld-/Gütermarkt-Gleichgewicht im IS-LM-Modell). Die Inflation aus gM = π + gY taucht später in AD-AS und der Phillips-Kurve wieder auf. Und die Fisher-Gleichung trennt den Nominal- vom Realzins, der über Investitionen den Gütermarkt steuert. Wer den Geldmarkt sicher beherrscht, hat den Schlüssel zu drei weiteren Klausuraufgaben.

Häufige Fragen (kurz & klar)

Muss ich den Geldschöpfungsmultiplikator und die Quantitätsgleichung beide können?

In der Regel ja – sie beantworten verschiedene Fragen. Der Geldschöpfungsmultiplikator M = B / [c + r·(1−c)] erklärt, wie viel Geld aus der Basis entsteht (Geldangebot). Die Quantitätsgleichung M·V = P·Y erklärt, was diese Geldmenge für Preise und Inflation bedeutet. In den uns vorliegenden Musterklausuren tauchten meist beide Bausteine auf – oft nacheinander in einer Aufgabe.

Rechne ich Inflation über M·V = P·Y oder über die Wachstumsraten?

Meist über die Wachstumsform: gM = π + gY (bei konstantem V), also π = gM − gY. Sie ist schneller, wenn Wachstumsraten gegeben sind. Die Niveaugleichung M·V = P·Y brauchst du, wenn nach dem Preisniveau P, dem nominalen BIP oder der Umlaufgeschwindigkeit V selbst gefragt ist. Ist V nicht konstant, nimmst du die vollständige Form gM + gV = π + gY.

Warum ist der Multiplikator 1/[c+r·(1−c)] und nicht einfach 1/r?

1/r gilt nur im Spezialfall ohne Bargeldabfluss (c = 0): Dann bleibt jeder verliehene Euro im Bankensystem. Sobald die Menschen einen Teil bar halten (c > 0), „versickert“ bei jeder Runde etwas Geld außerhalb der Banken und kann nicht weiterverliehen werden – der Multiplikator wird kleiner. Deshalb steht im Nenner c + r·(1−c). Setzt du c = 0 ein, erhältst du wieder 1/r.

Kommt die Fisher-Gleichung wirklich in der Klausur dran?

In den uns vorliegenden Unterlagen gehörte i = r + π regelmäßig zum Geld-Kapitel – oft verknüpft mit der Geldnachfrage und der erwarteten Inflation E[π]. Es lohnt sich, die Umstellung r = i − π sicher zu beherrschen und zu wissen, dass ein Realzins auch negativ sein kann, wenn die Inflation über dem Nominalzins liegt.

Ich habe eine konkrete inhaltliche Rückfrage – wohin damit?

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Starte mit 5 Fragen. 3 oder mehr richtig → es geht schwerer weiter, sonst bekommst du Festigungsfragen. Danach kannst du beliebig oft weitere Fragen anfordern – dein Gesamtergebnis bleibt immer sichtbar.

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Wer dich begleitet

René Flé

René Flé

René Flé (Dipl.-Kfm.) bereitet seit 1999 Frankfurter Studierende gezielt auf ihre Klausuren vor – passgenau zur jeweiligen Vorlesung.

seit 1999Frankfurter Examens-Repetitorien
~12.000vorbereitete Studierende
25.000+ Std.universitäre Lehre
seit 2012Honorardozent (CBS)

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