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Management 1 (BMGT) · Goethe-Uni Frankfurt · Kapitel 2Passgenau zur Vorlesung von Prof. Friebel & Dr. Sabet · Sommersemester 2026

Oligopol: Cournot, Bertrand & Stackelberg

Die große Rechenaufgabe der BMGT-Klausur: Reaktionsfunktionen aufstellen, Cournot-Nash-Mengen bestimmen, den Stackelberg-Vorteil des Erstziehers ausrechnen – und verstehen, warum eine Fusion den Preis hebt und trotzdem ein Verlustgeschäft sein kann. Komplett durchgerechnet an einem Beispiel, mit adaptivem Selbsttest.

Deine Klausurvorbereitung an der Goethe-Uni – seit 1999, passgenau zu deiner Vorlesung.

★ Klausur Mo 27.07.2026, 11:00 Uhr (Prof. Friebel & Dr. Sabet) – sichere dir deine Unterlagen bis 26. Juli 2026.

Einstieg

Stell dir zwei Food-Trucks vor deiner Uni vor. Jeden Morgen entscheiden beide, wie viele Bowls sie vorbereiten – und erst mittags zeigt sich der Preis: Haben beide viel dabei, müssen beide Rabatte geben; hat einer wenig dabei, bleibt der Preis stabil. Bevor Truck 1 seine Menge festlegt, fragt er sich also automatisch: „Wie viel kocht wohl der andere?“ – und plant dagegen. Genau dieses Gegeneinander-Planen gießt dieses Kapitel in eine Formel: die Reaktionsfunktion.

Und wenn Truck 1 schon am Vorabend öffentlich postet, dass er morgen mit doppelter Menge anrückt? Dann bleibt Truck 2 nur, klein beizugeben und weniger vorzubereiten – der Erstzieher hat sich einen Vorteil erzwungen. Aus dem Mensa-Vorplatz wird gleich ein Markt mit zwei E-Scooter-Verleihern – die Logik bleibt exakt dieselbe.

Kurz erklärt – „Neugier-Fragen": kleine Fragen, die du dir selbst stellst, um aktiv mitzudenken – nicht zum Googeln, sondern zum inneren Beantworten, während die Lektion läuft. So funktioniert's – an einer Frage einmal vorgemacht (Frage → Denk-Schritt → Antwort, die du gleich prüfst):

  • Vorgemacht: Teilen sich zwei identische Anbieter einfach brav die Monopolmenge (jeder die Hälfte)? → Denk-Schritt: Bei der halben Monopolmenge lohnt es sich für jeden Einzelnen, heimlich mehr anzubieten – den Preisrückgang trägt ja zur Hälfte der andere. → Antwort: Nein – im Cournot-Gleichgewicht bieten beide zusammen mehr an als ein Monopolist (unten: 40 statt 30). Das rechnest du gleich selbst nach.
  • Warum kann es besser sein, sich zuerst festzulegen – obwohl der Zweitzieher beim Entscheiden mehr Informationen hat?
  • Aus drei Anbietern werden per Fusion zwei, der Marktpreis steigt. Wer profitiert am stärksten – die fusionierte Firma oder der unbeteiligte Außenseiter?
Dein Fahrplan durch dieses Thema:
① Reaktionsfunktion aufstellen – aus der Gewinnfunktion die beste Antwort auf jede Konkurrenzmenge ableiten.
② Cournot-Nash-Gleichgewicht berechnen – beide Reaktionsfunktionen schneiden: Mengen, Preis, Gewinne.
③ Stackelberg per Rückwärtsinduktion lösen – Folger-Reaktion einsetzen, First-Mover-Vorteil beziffern.
④ Bertrand, n Firmen & Fusion – Preiskampf bis p = GK, die n-Firmen-Formel und das Fusionsparadoxon.

① Vom Alleinherrscher zum Strategen: das Duopol

Im Monopol brauchst du nur Nachfrage und Kosten – im OligopolMarktform mit wenigen Anbietern, deren Entscheidungen sich gegenseitig spürbar beeinflussen. Spezialfall mit genau zwei Anbietern: Duopol. kommt ein dritter Faktor dazu: die Entscheidung deiner Konkurrenz. Der Marktpreis hängt an der Gesamtmenge aller Anbieter – wer seine Menge plant, plant deshalb immer gegen die (erwartete) Menge des anderen. Beim Cournot-Wettbewerb sind die Spielregeln: homogenes Gut, beide wählen ihre Mengen gleichzeitig und unabhängig, der Preis bildet sich über die Gesamtmenge.

Lehrbeispiel: zwei E-Scooter-Verleiher

Zwei Verleiher legen im Frühjahr fest, wie viele hundert Scooter sie in einer Unistadt aufstellen (q1, q2). Der Tagespass-Preis bildet sich über die Gesamtflotte Q:

p = 160 − 2Q    mit    Q = q1 + q2

Beide betreiben ihre Flotte mit konstanten GrenzkostenKosten der letzten zusätzlichen Einheit – hier: was eine weitere Flotteneinheit pro Saison kostet. Im Lehrbeispiel konstant: c = 40, keine Fixkosten. von c = 40, Fixkosten fallen keine an.

Schritt 1 – Gewinnfunktion von Anbieter 1 (Preis einsetzen, Kosten abziehen):

π1 = (160 − 2q1 − 2q2) · q1 − 40 · q1

Schritt 2 – ableiten und nullsetzen (q2 ist aus Sicht von Anbieter 1 beim Ableiten eine Konstante!):

∂π1/∂q1 = 120 − 4q1 − 2q2 = 0  ⇒  q1 = 30 − ½q2

Diese beste Antwort auf jede denkbare Konkurrenzmenge ist die ReaktionsfunktionGibt für jede mögliche Menge des Konkurrenten die eigene gewinnmaximale Menge an. Sie folgt aus der Bedingung erster Ordnung der Gewinnmaximierung. (RF) von Anbieter 1. Lesebeispiel: Stellt der Konkurrent q2 = 10 auf, ist q1 = 30 − 5 = 25 optimal.

Klausur-Routine RF: ausmultiplizieren → nur nach der eigenen Menge ableiten → nullsetzen → nach der eigenen Menge auflösen. Der häufigste Fehler: q2 wird mit abgeleitet – die Konkurrenzmenge ist beim Ableiten eine Zahl, keine Variable.

② Der Schnittpunkt: das Cournot-Nash-Gleichgewicht

Anbieter 2 rechnet spiegelbildlich und erhält q2 = 30 − ½q1. Beide RF fallen: Je mehr der eine anbietet, desto weniger lohnt sich für den anderen – Mengen sind strategische SubstituteDie beste Antwort auf „mehr“ des Konkurrenten ist „weniger“ von dir – die Reaktionsfunktion fällt. Gegenstück: strategische Komplemente (Preise im Bertrand-Wettbewerb).. Stabil ist genau der Punkt, in dem beide gleichzeitig auf ihrer RF liegen – dort will niemand mehr abweichen. Das ist das Cournot-Nash-GleichgewichtMengenpaar, bei dem jede Firma die beste Antwort auf die Menge der anderen spielt (Schnittpunkt der Reaktionsfunktionen) – ein Nash-Gleichgewicht in Mengen.:

q1 = 30 − ½ · (30 − ½q1)  ⇒  q1* = q2* = 20

Gesamtmenge Q = 40, Preis p = 160 − 80 = 80, Gewinn je Anbieter π = (80 − 40) · 20 = 800. Zum Vergleich: Ein Monopolist (oder ein perfektes Kartell) würde nur Q = 30 aufstellen, den Preis auf 100 treiben und insgesamt 1.800 verdienen. Das Duopol liefert also mehr Menge zum niedrigeren Preis als das Monopol – aber noch lange keinen Wettbewerbspreis.

Beide Reaktionsfunktionen im Mengendiagramm. Im Schnittpunkt C liegt das Cournot-Nash-Gleichgewicht (20, 20). Der goldene Punkt S (30, 15) ist das Stackelberg-Ergebnis aus Abschnitt ③: Er liegt auf der RF des Folgers, aber nicht mehr auf der RF des Führers.

Beliebte Klausur-Variante (rückwärts!): Du bekommst fertige Reaktionsfunktionen samt Nachfragefunktion – und sollst den Wettbewerbstyp benennen, die Gleichgewichtsmengen bestimmen oder die Grenzkosten zurückrechnen (RF-Achsenabschnitt = (a − c)/(2b) nach c auflösen). Alles dafür steckt in Schritt ① – nur in Gegenrichtung gelesen.

③ Wer zuerst zieht, gewinnt: Stackelberg

Jetzt wird dasselbe Spiel sequentiell: Anbieter 1 legt seine Flotte zuerst verbindlich fest (Stackelberg-Führer), Anbieter 2 beobachtet das und reagiert (Folger). Gelöst wird von hinten – per RückwärtsinduktionSequentielle Spiele „von hinten nach vorne“ lösen: erst die optimale Reaktion des Letztziehenden bestimmen, dann die Entscheidung des Erstziehenden unter Einbeziehung dieser Reaktion. Ergebnis: das teilspielperfekte Gleichgewicht.: Der Führer kennt die RF des Folgers und setzt sie in seine eigene Gewinnfunktion ein:

π1 = (160 − 2q1 − 2 · (30 − ½q1) − 40) · q1 = (60 − q1) · q1

∂π1/∂q1 = 60 − 2q1 = 0  ⇒  q1* = 30,   q2* = 30 − 15 = 15

Gesamtmenge Q = 45 > 40, Preis p = 70 < 80. Gewinne: Führer π1 = (70 − 40) · 30 = 900, Folger π2 = (70 − 40) · 15 = 450. Der First-Mover-Vorteil ist dabei kein Informationsvorteil – der Folger weiß ja sogar mehr! Es ist ein Verpflichtungsvorteil: Wer sich glaubwürdig zuerst auf „viel“ festlegt, zwingt den anderen entlang dessen fallender RF zum Zurückweichen.

Verblüffend: Der Führer verdient mit 900 exakt so viel wie ein braves Kartellmitglied (1.800 / 2) – ganz ohne verbotene Absprache. Der Preis dafür: Der Folger fällt auf 450, und der Marktpreis sinkt sogar unter das Cournot-Niveau. Stackelberg ist damit gut für die Konsumenten – ein Kartell nicht.

④ Preiskampf, n Firmen & Fusion

Was, wenn beide statt der Mengen die Preise setzen (Bertrand-Wettbewerb)? Beim homogenen Gut wandert die gesamte Nachfrage zum billigeren Anbieter. Jeder Preis über den Grenzkosten lädt deshalb zum minimalen Unterbieten ein – bis bei p = GK = 40 Schluss ist: Nullgewinne für beide, das Bertrand-ParadoxonSchon zwei Anbieter genügen beim homogenen Gut im Preiswettbewerb, um das Ergebnis vollständigen Wettbewerbs zu erzeugen: p = Grenzkosten, Gewinne null.. In der Realität wird das abgemildert: durch Produktdifferenzierung (dann sind Preise über GK haltbar), durch Kapazitätsgrenzen – oder durch Wiederholung: Treffen sich die Anbieter jede Periode erneut, kann eine stillschweigende KollusionStillschweigende oder explizite Preis-/Mengenabsprache. Im unendlich wiederholten Spiel stabil, wenn der Diskontfaktor δ = 1/(1 + i) über dem kritischen Wert liegt – das Kalkül dazu steht in Kapitel 1 (wiederholte Spiele). stabil werden, wenn zukünftige Gewinne wichtig genug sind.

Die n-Firmen-Formel

Für n identische Cournot-Anbieter (Nachfrage p = a − bQ, Grenzkosten c) gilt im Gleichgewicht:

qi = (a − c) / (b · (n + 1))       p = (a + n · c) / (n + 1)

Das Duopol ist der Spezialfall n = 2, das Monopol n = 1. Mit jedem zusätzlichen Anbieter rückt der Preis näher an die Grenzkosten. Im Lehrbeispiel mit n = 3 Verleihern: qi = 120/8 = 15, Q = 45, p = 70, Gewinn je Firma (70 − 40) · 15 = 450.

Fusion: aus 3 mach 2 – und ein Paradoxon

Schließen sich zwei der drei Anbieter zusammen – ohne Kosten- oder Kapazitätsvorteile –, stehen sich danach nur noch zwei Cournot-Spieler gegenüber. Das Ergebnis kennst du schon aus Abschnitt ②: je 20, Q = 40, der Preis steigt von 70 auf 80. Und jetzt genau hinsehen:

Fusionierte Firma

vorher (2 Firmen): 450 + 450 = 900
nachher: 800  →  −100

Außenseiter

vorher: 450
nachher: 800  →  +350

Konsumenten

Preis vorher: 70
nachher: 80  →  zahlen drauf

Die fusionierte Firma verdient weniger als ihre beiden Teile zusammen vorher (800 < 900) – das Fusionsparadoxon: Nach dem Zusammenschluss ist sie nur noch einer von zwei Spielern und drosselt ihre Menge, während der Außenseiter mitexpandiert und als lachender Dritter den höheren Preis kassiert. Erst Synergien (echte Kostenvorteile) oder ein Strukturwechsel – etwa wenn die fusionierte Einheit zum Stackelberg-Führer wird, eine beliebte Klausur-Wendung – drehen das Vorzeichen. Wettbewerbsbehörden schauen trotzdem genau hin: Für die Konsumenten steigt der Preis in jedem Fall.

Das große Bild

Marktlösung (Lehrbeispiel)q1q2Qpπ1π2
Kartell / Monopol151530100900900
Cournot (simultan, Mengen)20204080800800
Stackelberg (sequentiell)30154570900450
Bertrand (simultan, Preise)3030604000

Alle Werte für das Lehrbeispiel p = 160 − 2Q, c = 40 (code-verifiziert im Compute-Skript). Merksatz Preise: Kartell > Cournot > Stackelberg > Bertrand (= GK) – die Mengenreihenfolge ist exakt spiegelbildlich.

Kern-Erkenntnis: Alle vier Marktlösungen sind dasselbe Spiel mit anderen Regeln – simultan oder sequentiell, Mengen oder Preise, mit oder ohne Absprache. Die Werkzeuge dafür (Nash-Gleichgewicht, Rückwärtsinduktion, wiederholte Spiele samt Diskontfaktor) kommen direkt aus Kapitel 1. Ab Kapitel 3 drehst du den Blick um 180 Grad: vom Wettbewerb zwischen Unternehmen zu den Anreizproblemen im Unternehmen (Moral Hazard & Anreizverträge).

Häufige Fragen (kurz & klar)

Reicht das Duopol – oder muss ich auch mit n Firmen rechnen können?

Sicherer ist beides: In den uns vorliegenden älteren Klausuren tauchten sowohl klassische Duopole als auch vier Anbieter samt Fusion auf. Die gute Nachricht: Die n-Firmen-Formel qi = (a − c)/(b · (n + 1)) enthält das Duopol als Spezialfall n = 2 und das Monopol als n = 1 – im Kern merkst du dir also eine Formel plus die RF-Routine.

Woran erkenne ich, ob Cournot, Bertrand oder Stackelberg gefragt ist?

Meist an Signalwörtern: „Mengenwettbewerb“ bzw. Reaktionsfunktionen über Mengen → Cournot. „Setzen ihre Preise“ bei homogenem Gut → Bertrand (p = GK, oft ganz ohne Rechnung). „Zuerst … danach“ bzw. Führer/Folger → Stackelberg mit Rückwärtsinduktion. In der Regel steht der Wettbewerbstyp fast wörtlich in der Aufgabe.

Was ist der häufigste Rechenfehler in diesem Kapitel?

Erfahrungsgemäß das Ableiten der Gewinnfunktion: Entweder wird die Konkurrenzmenge qj mit abgeleitet (sie ist beim Ableiten eine Konstante!) oder der Faktor 2 vor der eigenen Menge vergessen. Zweiter Klassiker beim Stackelberg: die falsche RF einsetzen – eingesetzt wird immer die RF des Folgers in den Gewinn des Führers, nie umgekehrt.

Lohnt sich eine Fusion im Cournot-Modell denn nie?

Ohne Synergien meist nicht – das ist gerade das Fusionsparadoxon: Der Zusammenschluss drosselt die eigene Menge, und ausgerechnet der Außenseiter profitiert. Mit echten Kostenvorteilen oder wenn die Fusion die Marktstruktur verändert – etwa die neue Einheit zum Stackelberg-Führer macht – kann sich das Blatt aber wenden. Genau solche Varianten sind beliebte Klausur-Wendungen.

Ich habe eine konkrete inhaltliche Rückfrage – wohin damit?

Tippe sie direkt unten in das Eingabefeld – sie wird lokal auf deinem Gerät gespeichert, und du bringst sie in die nächste Live-Q&A-Session mit. Dort rechnen wir sie gemeinsam durch; in der Regel klären wir dabei auch Schritt-für-Schritt-Fragen zu alten Klausuraufgaben.

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Starte mit 5 Fragen. 3 oder mehr richtig → es geht schwerer weiter, sonst bekommst du Festigungsfragen. Danach kannst du beliebig oft weitere Fragen anfordern – dein Gesamtergebnis bleibt immer sichtbar.

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Wer dich begleitet

René Flé

René Flé

René Flé (Dipl.-Kfm.) bereitet seit 1999 Frankfurter Studierende gezielt auf ihre Klausuren vor – passgenau zur jeweiligen Vorlesung.

seit 1999Frankfurter Examens-Repetitorien
~12.000vorbereitete Studierende
25.000+ Std.universitäre Lehre
seit 2012Honorardozent (CBS)

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